Geht es auch ohne Speisekarte?

Bevor ich dir die Speisekarte Frage beantworte, muss ich dir eine Geschichte erzählen…

Die breiten Reifen des schwarzen 750er BMW wirbeln weissen Staub auf dem Kiesparkplatz auf. So viel, dass das Heck des Wagens mit den stark getönten Scheiben, eher grau als schwarz aussieht. Vier Männer in dunkeln Boss-Anzügen und RayBan Sonnenbrillen flüchten aus dem Fahrzeug, die Türen bleiben offen, der Motor läuft weiter.

Die Vier im Agenten-Look verteilen sich blitzschnell auf dem Gelände. Im Ohr steckt ein weisser Knopf, von welchem ein spiralförmiges Kabel unter dem Kragen des Massanzugs verschwindet. Einer der Männer murmelt etwas in einer mir unbekannten Sprache. Die drei Anderen antworten nacheinander mit einem einzigen, kurzen, ebenfalls unverständlichen Wort. Einer bleibt in der Zufahrt stehen, der Zweite positioniert sich vor dem Eingang unseres Restaurants, während die anderen beiden eilig an mir vorbei ins Lokal stürmen. Durch Speisesaal, Restaurant, Küche, dann hoch zu den Personalzimmern und rein in die Wohnung des Restaurantbesitzers, im ersten Stock. Wieder hinaus, die Treppe hoch in die zweite Etage. Ich höre das knarren der alten Holztreppe und entdecke Agent Nummer drei auf dem Balkon. Inzwischen habe ich meinen Arbeitsplatz verlassen und begebe mich zum Eingangsbereich unseres Betriebes, um zu sehen was da eigentlich los ist.

Sturm_der_Geheim_Agenten_im_Restaurant

STOP!

Bevor es gleich weiter geht. Du bist gerade in der Französischen Schweiz, in der Romandie wie das hier heisst, im Kanton Waadt. (Vaudoise) Hoch über dem Genfer See mitten in den Rebbergen über der Stadt Rolle. Geniesse die tolle Aussicht, tauch ein in diese herrliche Region mit den köstlichen Weinen. Ich empfehle dir dringen einmal einen Châeau d’Allaman zu kosten. Dunkel Rubinfarbig mit einem Bouquet an Waldbeeren erinnernd.

Weiter geht’s…

Meinen Versuch die Mitte der Terrasse zu erreichen wird sofort unterbunden. Blitzschnell baut sich der Riese der am Eingang steht vor mir auf und stoppt mich. Ich spüre plötzlich eine grosse Hand auf meinem Brustbein, schaue runter zur Hand – “Oh! Eine Patek Philippe Grandes Complications” denke ich, “eines der schönsten Werke Genfer Uhrenmacherkunst”. Mein Blick schweift hoch, bis sich mein Gesicht in den Gläsern der Sonnenbrille spiegelt. Die James Bond Imitation denkt nicht daran seine flache Hand von meiner Brust zu nehmen. Im Gegenteil, mit einem langsamen hin und her drehen seines Kopfes und einem weniger sanften Stoss zwingt er mich stehen zu bleiben.

“Was ist denn hier los?” frage ich. Keine Antwort. Ich versuche es auf Englisch – Schweigen – dann auf Französisch – Totenstille.

Ich zucke zusammen. Eine Hand greift plötzlich von hinten meine rechte Schulter. Drei kurze, dicke, kräftige Finger bohren sich oberhalb meines Schlüsselbeins kräftig ins Fleisch, der dazugehörige Daumen drückt auf mein Schulterblatt. “Please Sir!” Oh ES kann sprechen, denke ich. Und erneut “Please Sir!” Diesmal mit einem schmerzhaften Ruck an meiner Schulter der mir unmissverständlich zu Verstehen gibt, ich möge mich jetzt wieder ins Gebäude zurück “ver-“ziehen.

Ich dreh mich um und die Mr. Mission Impossible, Ethan Hunt Figur (weil er der Kleinste der Vier war) wirft mir doch tatsächlich ein klitzekleines Lächeln zu. Die Kopfbewegung in Richtung Restauranteingang weiss ich richtig zu interpretieren und ich folge der Aufforderung. Verschwunden im Restaurant stelle ich mich ans Fenster um bloss nichts dieses Thrillers zu verpassen.

Es vergeht einige Zeit. James Bond (der Dynamische vor dem Restaurant), Ethan Hunt (der Kleine der mich an der Schulter packte), John McLane (der Glatzkopf aus Stirb langsam) steht immer noch auf dem Balkon in der zweiten Etage und Frank Martin (der Transporter, also Fahrer des BMW) bleiben auf ihren Positionen. So positioniert, können sie alle Bereiche der Einfahrt, Terrasse und den Eingang des Gebäudes überwachen. Es ist still, viel zu still, beängstigen still. Wie heisst es so schön, man könnte eine Stecknadel fallen hören. Das einzige lautere Geräusch ist der klapprige Ventilator der vergeblich versucht üble Gerüche aus der Herrentoilette zu saugen.

Machen wir eine kleine Pause.

Erinnerst du dich noch? Ich wollte dir doch erzählen, ob es auch ohne Speisekarte geht. Bevor ich das tun kann, liess erst einmal weiter. Bestimmt fällt es dir am Ende dieses “Agenten Thrillers” leichter dir selbst meine Frage zu beantworten. Also, lehne dich zurück, atme die frische Luft in den Rebbergen über dem Genfer See, atme tief ein und geniesse den Duft der Rosenhecke die an der Hauswand rechts vom Restaurant Eingang hochrankt. Vielleicht geniesst Du dazu eine Premier Grand Cru aus dem Hause Château Châtagneréaz. Dieser Rebberg liegt direkt vor dir wenn du deinen Blick nach Süden zum Genfer See richtest. Nimm einen tiefen Schluck und koste das Bouquet von Akazienhonig und Lindenblüten.

Jetzt passiert etwas! Frank, der Fahrer gibt James Bond ein Handzeichen, dieser gibt das Zeichen sofort weiter zu Herrn Hunt, der mit einem unglaublichen Känguruhopser vom Restauranteingang auf die Terrasse hüpft und wild zu beginnt mit dem Glatzkopf auf dem Balkon zu gestikulieren. Daumen hoch vom „Stirb langsam“-Mann und alles ist wieder still. Jeder bleibt an seinem Platz wie festgeklebt.

Hörst du das?

Erneut knistert der Kies, als eine lilienweisse Rolls Royce Limousine im Schritttempo auf den Parkplatz rollt. Die vier Herren werden unruhig, ihre Blicke wandern nervös über das gesamte Gelände. Es kracht, klopft, schauft, schabt und quietscht. Mit lautem gepolter eilt John (Du erinnerst dich? Yippie-Ya-Yeah Schweinebacke) die Treppen runter, schiesst an mir vorbei auf die Terrasse, flitzt zum Rolls Royce und öffnet langsam die hintere Tür auf der Fahrerseite.

araberErst ein weisser Schuh, dann eine weisse Hose und ein weisser Anzug entsteigen dem Fahrzeug. Die dunkelhäutige Person mit den Buschigen Augenbrauen nickt kurz zu 007. Der Kufiya, diese Arrafath-Kopfbedeckung, rutscht ihm dabei leicht in die Stirn. Mit einem kurzen Griff mit der linken Hand rückt er den Kopfschmuck wieder gerade. Von Bond und McLane flankiert, schreitet “Herr Scheich” in Richtung Restauranteingang. Die ganze Szene wirkt absurd in der Waadtländer Mittagssonne. Es fehlen nur noch die orientalischen Klänge der Oud um uns in ein 1001 Nacht Märchen zu entführen. Märchen? Ähm naja.

Die beiden anderen Herren bleiben erst einmal beim Wagen stehen. Gelände, Umgebung und Gebäude sind überprüft und scheinen sicher zu sein. Die beiden Herren in Schwarz und der orientalisch gekleidete, etwas dickliche, kleinere Mann ganz in weiss, betreten das Restaurant. Hmm.. gaanz in weiss…. mit einem Blumstrahhaus… sooo siehst duuu in meinen…  komisch dass mir gerade jetzt beim Schreiben dieser Roy Black Evergreen durch den Kopf geht?! 

Draussen entsteigen jetzt eine Dame und ein sehr junger Mann der weissen Limousine. Vorne weg Agent “Transporter” und hinter den beiden der kleinere Mission:Impossible Mann. Während die Dame und der junge Mann ebenfalls das Restaurant betreten, bleiben Frank und Ethan als Wachhunde links und rechts vor dem Restauranteingang stehen.

…und dann hallt es aus dem hinteren Bereich:

السلام عليكم 

Salam aleikum! Unser Tunesischer Kellner Naoufel reisst die Arme weit auseinander und noch einmal folgen ein paar Worte, die sich mehr nach einem bösen Husten denn als Sprache anhören. Naoufel ist ein grosser, sehr schlanker dunkelhäutiger Mann Mitte Dreissig. Seine weisse Schürze blendet an den stellen an welcher die Sonne durch das Fenster auf sie trifft. “Wa Aleikum salaam.” erwidert der Araber, die beiden fassen sich mit beidhändig gegenseitig an den Oberarmen und Küssen sich zur Begrüssung. Danach tritt Naoufel sehr schnell einen grossen Schritt zurück. John und James sind nämlich sofort sehr nah an die beiden Begrüssenden getreten. Unser Tunesier verbeugt sich fast in Zeitlupe je einmal zu den Bodyguards, dem jungen Mann und der verhüllten, grossen, schlanken Dame. Diese erwidern die Verbeugung. Der junge Mann streckt Naoufel seine Hand entgegen, die beiden tauschen einige Worte. Wie ich heute weiss, es war Arabisch.

Pfffff… Ich atme sehr tief aus. Meine Anspannung hat sichtlich nachgelassen. Ich stammle ein Bonjour zu den Herrschaften welches aber nur vom jungen Mann erwidert wird. “Immerhin einer kann also zumindest etwas Französisch.” Denke ich

Ich steh also im grosszügigen Eingangsbereich hinter meinem Buffet an meinem Arbeitsplatz. Der Terrakotta Boden endet an der Natursteinwand welche sich bis hinein in den Gastraum zieht. Links ist ein kleiner schlecht beleuchteter Durchgang zu den Toiletten und der Garderobe. Letztere ist in diesem Restaurant für die Gäste nicht zugänglich. Das Personal hilft hier Gästen aus Mantel und Jacke, immer mit der Frage, ob in der Kleidung noch Gegenstände sind, die der Gast noch benötigt. Auf Brille, Handy, Brieftasche wird speziell hingewiesen. Dann wird die Bekleidung im dafür vorgesehen Schrank verstaut, welcher die Tischnummer des jeweiligen Gästetisches trägt.

Schon wieder etwas gelernt? Aus dem Mantel helfen? Garderobe sicher verstauen? Nachfragen, ob sich darin noch Gegenstände befinden die der Gast benötigt? Brille, Handy etc.?

Das hier die Gäste vom Personal mit einem Schirm zu Auto begleitet werden wenn es regnet, muss ich glaube ich noch auch noch erwähnen.

Du denkst jetzt bestimmt, wann kommt diese Frage? Da waren doch bereits drei Fragen oben im blauen Text? Stimmt, die sind aber nicht gemeint, die da oben. Das sind nur ein paar kleine Anregungen für Deinen Gästeservice.

Wie du bestimmt gemerkt hast, müssen die Gäste alle an meinem Arbeitsplatz vorbei. Dieser befindet sich gleich am Eingang zur Gaststube, nach dem Eingangsbereich. Bei mir werden alle kalten Vorspeisen zubereitet. Aus frischen Zutaten, für jeden Gast individuell. Es gibt keinen Mise en Place, wie du ihn sonst kennst, ich darf hier alles frisch schneiden, Dressings mischen, und die Teller anrichten. Einzig, die frischen Champignons sind vorweg geputzt worden und der Salat gewaschen. Jeder Gast darf also zu mir kommen und zusehen, wie gesundes, frisches Gemüse, Obst, Pilze, Nüsse und andere Zutaten in eine leckere, bunte und einzigartig frische Vorspeise verwandelt werden. Auf dem riesigen Tisch rechts von mir, in Richtung Eingang, stehen täglich frisch hergerichtete riesige, farbenfrohe Obst- und Gemüsekörbe. Hin und wieder nehme ich meine die Sprühflasche und besprühe meinen “Garten” mit etwas Wasser, damit er aussieht wie frisch geerntet und der Gast weiss, hier wird das Wort Gartenfrische wörtlich genommen. Etwas Feldsalat, (Oder Nüsslisalat damit auch meine Schweizer Leser wissen was ich meine) bei dem ich jedes einzelne Bündchen noch einmal auf absolute Sandfreiheit kontrolliere, sowie ein zwei frisch geschnittene, schneeweisse Feldchampignons (Dir ist klar, dass hier die Köpfe vollständig geschlossen sein müssen) landen in der speziellen Feldsalat-Holzschüssel. Ein paar Tropfen Wallnussöl, etwas selbst hergestellter Rotweinessig (Diesen hole ich täglich im Weinkeller, er lagert in mehreren kleinen Fässchen die Jahreszahlen tragen, wir nehmen immer den Ältesten. Heute verarbeite ich das Jahr 1974, er ist also neun Jahre alt) noch eine Prise Salz, und Pfeffer aus der Mühle werden sanft unter den Salat mit den Pilzen gehoben.

Anrichten darf ich auf einem lindgrünen Teller. Die Dinger sind eine echte Qual für jeden Spüler. Die Farbe verzeiht nichts. Selbst der kleinste, harmloseste Wasserfleck in Tröpfchengrösse sieht darauf aus, wie eklige angetrocknete Speisereste. Ja genau, jeden Teller suche ich vor dem Anrichten unter hellem Licht peinlichst genau nach kleinsten Unreinheiten, Wassertröpfchenrändern ab.

Genial, und einfach! Diese Zarten Feldsalat Blättchen mit den schneeweissen, regelmässig und hauchdünn geschnittenen Champignons. Noch zwei in kleine Stücke gehackte Wallnusskerne und ein Kaffeelöffel mit Pinienkernen oben drauf gestreut und fertig ist das Gericht. Ich weiss, du riechst das Wallnussöl das sich harmonisch mit dem Duft frischer Champignons zu einer kulinarischen Köstlichkeit vereint.   

Prinz Ali Baba, sein Sohn und die leicht verhüllte Dame sitzen nun an Tisch sieben. Das ist derjenige welcher ganz vorne im Restaurant vor der grossen Panoramascheibe steht. Ein himmlischer Fernblick über die Rebberge, den Genfersee bis hinüber zu den Französischen Alpen.

007 und McLaine haben inzwischen das Restaurant wieder verlassen. Dabei wurde frech und wortlos einer meiner wunderschön hergerichteten Obstkörbe entfernt. An Stelle des Korbes lag da jetzt ein 100 Franken Schein. Ich trete kurz an die Eingangstür und sehe drei von ihnen genüsslich das Obst verspeisen. Bodyguard 007 steht vor der Fensterscheibe durch welche er seine Klienten beobachten kann. 

Monsieur Ziegert schreitet mit riesen Schritten an mir vorbei. Er ist der Inhaber, der Patron, das Hirn, die Phantasie, das Herz und die Lunge dieses Betriebes. Seine Kochweste hat keinen einzigen Fleck obwohl der Chef gerade aus der Küche kommt. Er bleibt kurz mitten im Speisesaal stehen, schaut sich um. Wie immer senkt er dazu leicht seinen Kopf und blickt über den Rand seiner Brille. Seine Glatze glänzt im Sonnenlicht das durch die grosse Panoramascheibe auf ihn trifft. Der Patron nimmt einen Bleistift und ein vierfarbigen Notizblock bei dem jede Seite bei jeder Farbe quer perforiert ist, aus der Brusttasche.

Mit drei riesigen Schritten steht er am Tisch mit den Arabischen Gästen. Ein breites Lachen im Gesicht, die Augen leuchten und lassen den Spass den er gleich haben wird erahnen. Kurz begrüsst er die drei Personen mit einem kräftigen Handschlag. Dann passiert das für mich unglaubliche, mir stockt kurz der Atem. Diese Menschen fahren mit dem Rolls Royce vor, sind von Leibwächtern umgeben. Und was macht der Wirt?

Ich blicke zu 007. Bei dem was gerade im Restaurant passiert, geh ich felsenfest davon aus, dass Mr. Bond gleich seine Knarre zückt und ins Restaurant stürmt. Aber – nichts passiert. Bond öffnet nur den obersten Knopf seines Hemdes und lockert etwas seine Krawatte.

Die rechte Hand des Patrons greift den letzten leeren Stuhl an dem Tisch. Elegant dreht er die Sitzmöglichkeit über das rechte hintere Stuhlbein so, dass die gepolterte Sitzfläche zu ihm schaut, die Lehne zur Tischkante hin. Rittlings setzt sich mein Chef hin, sein Oberkörper hängt über die Rückenlehne, seine Hände liegen auf dem Tisch. Rechts hält er den Bleistift, links den Notizblock. Wieder blickt er über den Brillenrand von einem Gast zum anderen. Lachend nickt er der Dame zu und beginnt zu sprechen. Naoufel steht unweit und tritt jedes mal heran, wenn eine der Personen ihm dies durch einen kurzen Blick und haben des Kopfes signalisiert. Vor allem beim weiblichen Gast hat er viel zu tun, bei Herrn “Ölscheich” nur selten. Der junge Mann hat keine Übersetzung nötig.

Jetzt ist es an der Zeit, dass du ernsthaft darüber nachdenkst, wie diese Szene in deinem Lokal, deinem Restaurant aussehen würde. Setzt du dich rittlings zu deinen Gästen an den Tisch? Bist Du mit Zettel und Stift bewaffnet? Oder was passiert bei dir, in deinem Gastronomischen Betrieb? Ich stell mir das so vor. Während vier Bösewichte deinen Betrieb von oben bis unten inspizieren, rufst du vorsorglich schon mal die Polizei. Wenn dann ein weisser Rolls Royce auf deinen Parkplatz rollt und ein Saudi-arabischer Prinz aussteigt, werden deine Knie bereits etwas weicher. Wenn Prinz, Gemahlin und Sohn dann dein Restaurant betreten suchst du verzweifelt nach den richtigen Worten und Gesten. Du schickst deinen Kellner oder deine Serviceangestellte vor um den Gästen die Speisekarte zu reichen.

Speisekarte? Hast DU irgendwo während der ganzen Geschichte mitbekommen, dass es hier eine Speisekarte gibt? Nein? Komisch – KEINE Speisekarte? Die gibt es in dieser Geschichte nicht. Du bist in einem Restaurant ohne Speisekarte. Die Speisekarte ist hier ein Mensch, ein Wunder der Kommunikation, der Gastlichkeit, der Herzlichkeit. Einer Verkäufer seiner Kochkunst, ein begnadeter Mensch mit einem Gastronomiekonzept über das das Schweizer Wirtschaftsmagazin 2001 schrieb:

Kraftfeld: «Auberge de Bugnaux»
Die «Auberge de Bugnaux» profiliert sich abseits vom Mainstream und ist vor allem Insidern aus Genf und Lausanne bekannt. Sie notieren den fantastisch gelegenen und schlicht gestylten Landgasthof mitten in den Waadtländer Weinbergen ganz oben auf der Adressliste, denn hier erleben sie ein Kraftfeld von Herzlichkeit, ein Verwöhntwerden ohne Anbiederung. Wer sich in dieser wohl tuend persönlichen Atmosphäre nicht wohl fühlt, dem ist nicht zu helfen.

Die in lange Schürzen gekleideten Servicemitarbeiter sind ebenso aufmerksam wie umgänglich, und mit einem Glas Mont-sur-Rolle sieht man freudig dem Menü entgegen. Wenn man das erste Mal dort ist, wird das Fehlen einer Speisekarte irritieren. Christophe Ziegert, der charismatische Patron, macht dem Gast am Tisch die Menüvorschläge: Sie bewegen sich zwischen drei und acht Gängen von 50 bis 120 Franken. Die Freundlichkeit ist so echt, wie die Einrichtung originell ist.

«Was ein Restaurant aufregend macht, sind zur einen Hälfte unverwechselbare Servicepersönlichkeiten, zur anderen Hälfte spannende Gäste», sagt Ziegert. «Beide Teile beeinflussen sich gegenseitig.» Obwohl die Nachfrage das Angebot der rund 60 Plätze seit Jahren übersteigt, sind Christophe Ziegert und seine Crew bescheiden geblieben: Wenn sie einem Gast am Telefon absagen müssen, tun sie dies nicht mit Überheblichkeit, sondern mit echtem Bedauern.

Erschienen ist dieser Artikel 2001 in der Rubrik Luxus. Hier der Link zum Originalbeitrag: http://www.bilanz.ch/luxus/service-inbegriffen

Ich musste eben eine kleine Schreibpause einlegen. Zu gross waren gerade die Emotionen die dreissig Jahre in mir versteckt gewesen sind. Ich habe alles gewusst. Ich habe alles verdrängt. Verdrängung die mich tausende von Franken Lehrgeld gekostet haben. 

Wie sieht das bei dir aus? Klar hast Du eine Speisekarte, ich glaube 99.99% aller Restaurants haben eine. Es geht hier nicht grundsätzlich darum, keine Speisekarte zu haben. Es geht um “unverwechselbare Servicepersönlichkeiten” wie Herr Ziegert sagt, um spannende Gäste. Wie du gelesen hast, sind die Gäste manchmal spannender als man es ertragen kann. Gäste beeinflussen das Angebot. Wie beeinflussen deine Gäste das Angebot? Welche positiven Impulse deiner Gäste setzt du um? Oder beschränkt sich die Beeinflussung lediglich darauf, ein Schnitzelanzubieten weil dein Mitbewerber da auch hat? Oder darauf, immer etwas billiger zu sein als andere Restaurants in deiner Umgebung? Wo ist dein Kraftfeld? Ist es die Herzlichkeit, das Ambiente, deine Schlichtheit oder dein Service? Hast du darüber nachgedacht? Wo unterscheidest du dich? Wo hängt bei dir der Hammer?

Ich hatte das Glück, diesen Menschen persönlich kennen zu lernen, mit ihm zu arbeiten, von ihm mit einem gebrochenen Knöchel ins Krankenhaus gefahren zu werden. In den knapp zehn Monaten in denen ich im Bugneaux noch vor meiner Kochlehre als Küchenbursche tätig war, lernte ich unendlich viel. Hätte ich damals, fünfzehn Jahre später, nur einen Teil dieses Wissens über Gastlichkeit, Service, Marketing, Qualität und Herzlichkeit umgesetzt, wäre meine Selbständigkeit kein Abenteuer mit Schiffbruch geworden, sondern ein Kreuzfahrt in die Unabhängigkeit. 

Kannst du dir vorstellen, welche Vorteile dir ein Betrieb ohne Speisekarte bringen können? Abgesehen von intensivem Gästekontakt wärst du unabhängiger. Stell dir vor wie du einkaufen könntest. Du wärst nicht angewiesen darauf, Produkte im Tiefkühler zu lagern für Gerichte, die nur einmal pro Woche gegessen werden. Du könntest unglaublich frische Gerichte anbieten, du könntest Deine Gäste überraschen, immer aufs Neue. Du würdest zum Gespräch in deiner Umgebung.

Denke darüber nach!

Christoph Ziegert hat nach 33 Jahren im Alter von 72 Jahren das Bugneaux geschlossen. Ich Danke ihm hier noch einmal für all das, was er mir in knapp zehn Monaten beigebracht hat. Was er mich über das fachliche wissen hinaus gelehrt hat. Nicht nur wie man Fische schuppt, wie man ein Perlhuhn im Ton zubereitet, dass ein Rindsfilet auch durchgegart butterzart sein kann. Nicht nur, dass man eine Vanillesauce erst zur Rose kocht um dann daraus das köstlichste Vanilleeis herzustellen. Er war unglaublich fordernd aber ebenso ein riesiger Förderer. In kurzer Zeit durfte ich vom Tellerwäscher und Topfspüler in die Küche wechseln, wenig später an dem oben beschriebenen Buffet die kalten Vorspeisen zubereiten. Ich danke ihm für das Vertrauen in einen sechzehnjährigen, ungelernten Teenager der nicht immer umgänglich war.    

Heute – leider viel zu spät – ist es ehrliche Herzlichkeit und wie du eventuell beim Lesen dieser Zeilen gefühlt hast, Enthusiasmus – die unendliche Liebe zu dem was du tust. Egal was du tust. Wie sagte einst ein Philosoph: Mach das was du am liebst tust zu deinem Beruf und du musst nie mehr arbeiten.    

Über G. Edgar "Internet Marketing Trüffelschwein" Sieber 131 Artikel
Gerold E. Sieber (Geb. 1965) ist dein Restaurant Internet Marketing Trüffelschwein. Er sucht und stochert so lange bis er die besten und leckersten Marketing-Trüffel für deinen gastronomischen Internet Auftritt gefunden hat. Er kämpfte sich durch das Internet Marketing Dickicht, wühlte, grub um, pflügte hunderte von Websites, E-Books, Blogs nur um dir als Restaurant Inhaber zu ermutigen diese Trüffel dann hauchdünn zu hobeln um damit dein Restaurant Marketing grosszügig zu verfeinern. Immer mit einem einzigen Ziel – Mehr Gäste, mehr Wiederbesuche und bessere Bewertungen für deinen gastronomischen Betrieb. Er ist seit 34 Jahren im Gastgewerbe tätig begonnen hat alles in einem Gasthof in Rolle VD als Tellerwäscher und Hausbursche, später lernte Koch, wurde Küchenchef, Food Business Analyst, Commercial Manager, Projektleiter und selbständiger Gastwirt. Seit 2006 befasst er sich mit Online Marketing, Web Design, E-Mail-Marketing und Social Media und hat sich dabei auf seine Leidenschaft und Liebe spezialisiert - Gastronomische Betriebe.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*