Teil 3. Denk’ zweimal darüber nach bevor Du Familienmitglieder oder Freunde als Mitarbeiter einstellst.

Obwohl es gerade im Gastgewerbe viele erfolgreiche Familienunternehmen gibt, solltest Du bei beiden Menschengruppen, Familie oder Freunde etwas vorsichtig sein. Die ganze Dynamik der aktuellen Beziehung ändert sich, wenn Du plötzlich von einem Familien Mitglied oder einem Freunde der Chef bist.

Obwohl es gerade im Gastgewerbe viele erfolgreiche Familienunternehmen gibt, solltest Du bei beiden Menschengruppen, Familie oder Freunde etwas vorsichtig sein. Die ganze Dynamik der aktuellen Beziehung ändert sich, wenn Du plötzlich von einem Familien Mitglied oder einem Freunde der Chef bist.

Aus meiner eigenen ganz persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass sich diese Dynamik wirklich ändert. Dies kann sehr positiv sein, wie in meinem Fall, aber leider auch äußerst negativ. Freunde oder Familienmitglieder als Arbeitnehmer einzustellen bringt diese vom gleichwertigen Freundes- oder Familienverhältnissen in ein Arbeitgeber – Arbeitnehmerverhältnis welches aus Sicht des Arbeitnehmers ein Abhängigkeitsverhältnis darstellt. Leider kenne ich viele Beispiele bei welchen dadurch ganze Familienstrukturen oder Freundschaften zerstört wurden. Aber… ich kenne mindestens ebenso viele Beispiele wo dies problemlos klappt. Denke darüber nach, ob Du es Dir vorstellen kannst mit diesen Menschen einen Großteil Deiner Zeit zu verbringen. So seltsam dies auch klingen mag, bei der Rekrutierung solltest Du die gleichen Maßstäbe ansetzen wie wenn Du einen völlig fremden Menschen einstellst. Führe auch mit Onkel Henry ein Einstellungsgespräch, wie Du es mit einem Koch tun würdest und Cousine Cindy sollte auch erst bei Dir kellnern, nachdem Du von ihr in einem Gespräch überzeugt wurdest und sie sich beim Probearbeiten wirklich erfolgreich eingebracht hat.

Das Thema ist Konflikt behaftet, egal von welcher Seite man es betrachtet.

Wenn sich echte Fachleute unter Deinen Bekannten oder Freunden befinden ist dies bestimmt von Vorteil und eine Zusammenarbeit kann für beide Seiten Vorzüge haben. Bei Menschen ohne gastronomische Aus- oder Vorbildung muss sich ein Gastronom als Geschäftsmann sehen und sein Restaurant sollte nicht zum sozialen Auffangbecken für die Verwandtschaft, sondern professionell betrieben werden. Das grundlegende Ziel eines Restaurants ist es Geld zu verdienen. Hier ein paar Beispiele aus dem Kreis mir bekannter Restaurants:

Ein Gasthof im Schwarzwald verliert die Hälfte seiner Stammkundschaft nachdem die Schwiegermutter mit im Unternehmen arbeitet.

Diese übernimmt gleich das Zepter. Leider stehen ihre eigenen Bedürfnisse und nicht die der Gäste im Vordergrund. Gäste müssen warten, weil ein Telefonat mit der Tochter wichtiger ist oder Gäste die eine Zimmerreservierung getätigt haben, werden mit knappen Worten einfach stehen gelassen. Leider hat die Dame keinerlei gastronomische Vorbildung, weiß nicht wie Gäste gepflegt werden und verbreitet im ganzen Betrieb eine sehr unterkühlte Atmosphäre. Ohne einen riesigen Konflikt zwischen den eigentlichen Betreibern, der Tochter und dem Schwiegersohn, kann dieses Problem nicht gelöst werden.

Ein griechisches Restaurant südlich von Berlin ist heute fast gänzlich leer.

Vor wenigen Monaten war man froh, überhaupt einen Platz ohne Reservation zu bekommen. Was ist passiert? Der Wirt hat seinem arbeitslosen Neffen ein Chance geben wollen und diesen als Koch eingestellt. Der junge Mann hat zwar eine Kochausbildung, ist aber unzuverlässig und hat wenig Ahnung von der griechischen Küche. Die Qualität der Gerichte leidet stark darunter und dies quittieren die Gäste heute mit Fernbleiben. Eine Lösung ist auf Grund der starken Familienbande für den Gastwirt kaum möglich ohne riesige Probleme mit seiner Schwester (die Mutter des Kochs) zu bekommen. Er hat zwar öfters das Gespräch mit beiden gesucht, nur sind die Ansichten über die Arbeitsleistung sehr unterschiedlich und führt immer zu Streitigkeiten.

Eine Pizzeria die von einem Geschwisterpaar sehr erfolgreich geführt wird, „engagierte“ den neuen Lebenspartner, um die Buchhaltung des Betriebes zu führen.

Der Buchalter erkannte an vielen Stellen Einsparpotenzial und gab Tipps zum Sparen. Diese wurden natürlich vom frisch verliebten Teil des Geschwisterpaares umgesetzt und der andere Teil traute sich nicht etwas dagegen zu unternehmen. Wer will schon ein junges Glück zerstören? Heute bleibt der Speisesaal meist ohne Licht. Örtliche Fleischer, Gemüsehändler und Bäcker wurden durch einen preiswerteren Großhändler ersetzt und dadurch viel Frisches durch Tiefkühlware ersetzt. Die örtlichen Gewerbebeitriebenden blieben darauf auch als Gast der Pizzeria fern und die wichtige gute Mund zu Mund Propaganda änderte sich langsam ins Negative. Der Dorfverein durfte nur für das Bierchen nach dem Training nicht mehr den kleinen Saal nutzen. Anderen Gästen verwehrte man den Zutritt zum Speisesaal mit den Worten „Für einen Tisch machen wir nicht mehr die ganze Beleuchtung an!“ Die Pizzeria wird heute nicht mehr von diesem Geschwisterpaar (und Anhang) geführt. Diese haben sich tot gespart.

Bestimmt gibt es aber auch sehr positive Beispiele. Wenn die Rollen klar verteilt sind, keiner seine Kompetenzen überschreitet und nur die Aufgaben übernimmt welche er/sie wirklich beherrschen, kann es auch eine Gewinn sein für alle, auch für die Gäste.

Möglicherweise haben viele von Euch selber Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt. Falls Du eine positive oder negative Geschichte erlebt hast, bitte erzähle sie doch kurz über untenstehendes Komentarfeld.

Lieben Dank

Über Gerold Edgar [Restaurant Marketing] 148 Artikel
Gerold E. Sieber - Autor und Admin WebBeeren.ch | Ich habe nur ein Ziel: Mehr Erfolg für Dein Restaurant! Durch mehr Gäste, mehr Wiederbesuche ein höheres Ticket und bessere Online Bewertungen für Deinen gastronomischen Betrieb. Ich bin seit 34 Jahren im Gastgewerbe tätig begonnen hat alles in einem Gasthof in Rolle VD als Tellerwäscher und Hausbursche, später lernte Koch, wurde Küchenchef, Food Business Analyst, Commercial Manager, Projektleiter und selbständiger Gastwirt. Seit 2006 befasse ich mich intensiv Internet Marketing, Web Design, E-Mail-Marketing und Social Media Marketing. Dabei bleibe ich spezialisiert auf meine Leidenschaft und Liebe - Restaurants, Bars, Pizzerien. Café usw. Ich übersetzt für meine Leser aus der Gastronomie die komplizierten und teils unverständlichen Internet Marketing "Sachen" in eine Sprache die von Gastronomen verstanden wird. Bleibe hier und lies in meinem Online Magazin

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